Die Migros verbessert bei der Eigenmarke Optigal das Tierwohl. Was bedeutet dies für die Pouletmast? Ein Besuch auf dem Stucki-Hof im Emmental.

Die robusteren Hühner bleiben länger auf dem Hof und haben viel Platz im Stall und im Wintergarten.

Der Alltag von Walter und Christine Stucki richtet sich nach ihren Hühnern. Kurz nach dem Schlüpfen werden die Bibeli auf ihren Hof im bernischen Höchstetten geliefert – von der Migros-Fleischfirma Micarna. Neu bleiben die Tiere länger bei den Stuckis, bevor sie als ausgewachsene Masthühner abgeholt werden. Bis neue Küken einziehen, bleiben den Stuckis jeweils acht Tage, um den Stall auszumisten, zu reinigen und zu desinfizieren. Bislang wiederholte sich dieser Rhythmus acht- bis neunmal pro Jahr. Nun ändert sich das: Die Stuckis mästen neu eine langsamer wachsende Rasse. Die Hühner bleiben bis zu 44 Tage im Stall und werden bis zu zwei Kilogramm schwer. Zudem gelten sie als robuster und weniger krankheitsanfällig. Wegen der längeren Mastdauer können die Bäuerinnen und Bauern zwar weniger Tiere pro Jahr aufziehen, dank einer Ausgleichszahlung der Migros bleibt ihr Ertrag jedoch unverändert.

Die Migros treibt diese Umstellung für sämtliche Optigal-Produkte voran. Die Branchenorganisation IP-Suisse, die sich für umweltschonende Landwirtschaft stark macht, begleitet die schweizweite Umstellung.

Wohlbefinden der Tiere stets im Auge

«Es stört mich gar nicht, dass ich den Stall einmal weniger oft putzen muss», sagt Walter Stucki lachend. Seit 35 Jahren bewirtschaften er und seine Frau den Hof, den sie von seinen Eltern übernommen haben. 4200 Küken halten sie gleichzeitig im 300 Quadratmeter grossen Stall – und zählen damit zu den kleineren Mastbetrieben in der Schweiz.

«Meine Arbeit während der Mast besteht vor allem aus dem Beobachten der Tiere und ihres Verhaltens», sagt der 63-jährige Bauer. Das macht er im Stall. Vorher aber zieht er sich einen sauberen Kittel über, setzt eine Mütze auf den Kopf, wäscht sich die Hände und schlüpft dann in Gummistiefel, die er gleich desinfiziert. Erst dann betritt er den Stall. Die acht Tage alten Bibeli haben sich bereits an ihn gewöhnt. Sie bleiben ruhig, kommen neugierig auf ihn zu. Mehrmals täglich kontrolliert er die Tiere, überprüft Futter- und Wasserstellen sowie Temperatur und Feuchtigkeit. In den ersten Tagen benötigen die Küken eine Temperatur von 34 Grad. Diese sinkt dann kontinuierlich und beträgt gegen Ende der Mast noch 22 Grad.

Sandbad und Stroh zum Scharren

Der Stall verfügt über mobile Futternäpfe und Trinkschalen, die angehoben werden, wenn die Hühner grösser werden. Beschäftigungsmöglichkeiten wie Stroh zum Scharren oder ein Sandbad fördern das natürliche Verhalten. Über die gesamte Fläche verteilt finden die Hühner erhöhte Sitzgelegenheiten.

“Auf den letzten Kontrollgang gehe ich jeden Abend kurz vor dem Zubettgehen.”
Walter Stucki, 63-jähriger Bauer.

Wenn die Tiere 21 Tage alt sind, haben sie zudem Zugang zu einem gedeckten Wintergarten mit frischer Luft. Dort sind sie geschützt vor Füchsen, Habichten – und vor der Vogelgrippe. Diese könnte zum Thema werden, sobald sich die Zugvögel im September auf ihre Reise in den Süden machen.

«Auf den letzten Kontrollgang gehe ich jeden Abend kurz vor dem Zubettgehen», sagt Walter Stucki. «Für die Arbeit mit Hühnern braucht es eine ruhige Hand», ergänzt Christine Stucki (61). Die nötige Gelassenheit haben sie sich über die Jahre angeeignet. Diese kommt ihr auch zugute bei ihrer Teilzeitstelle als Primarlehrerin.

Anfang 2028 werden die Stuckis den Hof an ihre mittlere Tochter und deren Partner übergeben. Bis dahin kümmern sie sich weiterhin um ihre Tiere, die den Takt auf dem Betrieb vorgeben: ruhig, aber stetig.

Mehr Tierwohl beim Migros-Poulet

Die Pouletproduktion der Mi­gros wird tierfreundlicher. Die Detailhändlerin stellt bei den Produkten der Eigenmarke Optigal schrittweise auf eine langsamer wachsende Hühnerrasse um. Sie ist robuster, lebt länger und bringt bessere Voraussetzungen für die Gesundheit mit. Partnerin bei der Umsetzung ist IP-Suisse.

Optigal steht für Schweizer Herkunft: Bereits heute stammen rund 84 Prozent des Ge­flügelsortiments der Migros aus der Schweiz, obschon der Selbstversorgungsgrad beim Poulet schweizweit bei nur 62 Prozent liegt. Auch künftig soll die Inlandproduktion Prio­rität haben, damit Kundinnen und Kunden von einem Schweizer Angebot profitieren, das Tierwohl und Qualität vereint.

Die ersten Produkte mit der neuen Rasse sind ab Herbst erhältlich, erkennbar am Op­tigal-Logo und dem IP-Suisse-Käfer auf der Verpackung. Die vollständige Umstellung erfolgt innerhalb von zwei Jahren.

Text : Nina Huber
Fotos : Beat Schweizer